Emmys Berichte aus Great Britain

Emmys Berichte über "Leben in Great Britain"

5. Bericht 'Leben in Britain'

Ich spende, Du spendest, er sie es spendet

Liebe Leserinnen und Leser,

kürzlich war ich in einem der hier in England vielverbreiteten Charityshops, wo ich ein sehr interessantes Gespräch mit einer der ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen hatte. Ich wollte einfach wissen, wie diese Läden funktionieren. Ganz im Sinne meiner Vermieterin aus meiner Studentenzeit, die immer sagte „reden musst Du mit die Leut“. Aber zurück zu den Wohltätigkeitsläden. Wissen Sie, es ist hier sehr üblich, dass die Menschen ihre alten Sachen an Secondhandläden spenden. Das kann alles sein. Spielzeug, Kleidung, Medienartikel und auch Möbel. Diese Läden haben stets einen sozialen, gesellschaftlichen oder medizinischen Zweck, wofür sie diese Spenden annehmen und für kleines Geld weiterverkaufen. Zum Beispiel nimmt ein Laden den Erlös, um ihn in die Brustkrebsforschung zu investieren. Ein anderer erarbeitet sich Geld für die Herzerkrankungsforschung, für Kinderarmut oder für ein Hospiz.

Menschen geben also ihre alten oder sogar brandneuen ungetragenen, unbenutzten Sachen ab. Hauptsache in gutem Zustand. Meist nehmen ehrenamtliche Helfer/innen diese Spenden entgegen, sortieren sie nach Themen wie eben Kleidung, Spielzeug oder Dekoration und verteilen dieses Spenden dann auf ihre jeweiligen Shops. Heißt Spielzeug geht in die Kinderläden, Damen- und Herrenmode in die Bekleidungsshops und Möbel wandern in den Secondhandmöbelladen der eigenen „Kette“. Sachen, die nicht zu verkaufen sind, werden in Säcken an größere Organisationen weiterverkauft, die wiederum ihrerseits die Sachen verkaufen oder in Entwicklungsländer abgeben.

Der Erlös der Gegenstände in den Charityshops wird verwandt, um das eigene Thema zu unterstützen und voranzubringen. Dabei geht es nicht nur in die Forschung, sondern wird auch gebraucht, um professionelles Personal wie beispielsweise Krankenschwestern in Hospizen zu bezahlen oder die Miete der Läden. Diese ist meist nicht sehr hoch, da vom Stadtbezirk bewusst kleingehalten. Zugunsten der guten Sache.

Alles in allem ist es ein ziemlich großes System von Ehrenamtlichen wie Hauptberuflichen. Und wohl auch ein sehr Gefragtes, da ziemlich viele Menschen in diesen kleinen Läden einkaufen. Manche verstehen gar nicht, wie man überhaupt neue Sachen kaufen kann, wo es doch alles, und dann auch noch so schön günstig, in den Charityshops gibt. Diese regelmäßigen Käufer/innen sind ein Grund, warum dieses System so gut funktioniert.
Den anderen Grund nannte mir die Mitarbeiterin, mit der ich mein Gespräch hatte. Sie sagte, wir leben in einer Wegwerfgesellschaft. Dinge, die noch in recht gutem Zustand sind, werden einfach entsorgt, weil sie nicht mehr gefallen, zu klein oder zu groß geworden sind oder sie einfach seit einer Ewigkeit nicht mehr benutzt wurden. Was auch immer der Grund ist, es wird weggeworfen. Doch bevor es auf dem Müll landet und unsere Umwelt belastet, wird es hier gespendet, weiterverkauft und dient so noch einem guten Zweck. Ein Sprichwort sagt: Was für den einen Müll ist, ist für den anderen ein Schatz. Auf diese Weise haben alle etwas davon.

Schön, schön. Auf der anderen Seite finde ich dieses System recht eindimensional. Mir persönlich fehlt etwas die Vielfalt, um seine eigenen Sachen sinnvoll „loszuwerden“.  Die typischen Flohmärkte wie wir sie aus Deutschland kennen, gibt es hier zwar auch, jedoch reicht der Verkaufserlös meist noch nicht mal, um die recht hohe Standgebühr zu bezahlen. Der Grund: die Käufer wollen die angebotenen Artikel in der Regel für Pennys statt für Pfund erwerben. Unglaublich.
Ebenso ist es mit den Babysachenflohmärkten, die in deutschen Kindergärten so populär sind. Es gibt nur ganz wenige hier und diese sind von professioneller Hand organisiert. Die Standgebühren sind wieder recht hoch und zudem braucht man als Verkäufer/in meist noch eine Verkäuferversicherung.
Am Ende fragt man sich schließlich doch, ob man bei so viel zu treibenden Aufwand und meist geringem Erlös nicht lieber die ganzen Sachen in einen der Wohltätigkeitsläden bringt. Einfachheitshalber. Und damit auch noch etwas Gutes tut.

In diesem Sinne, machen Sie es gut und richtig.
Und vielleicht lesen Sie beim nächsten Mal (17.06.)noch einmal weiter, wenn ich Sie mit auf ein paar Abstecher durchs Land nehme.
Es würde mich freuen.

Take care.
Ihre
Emmy Butt

 

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